Wie das Profi-Tennis nach Gröden kam

Von 1999 bis 2015 bekleidete Wolfgang Wanker die Position des Turnierdirektors und Organisators des größten Tennisturniers in Südtirol. In einem ausführlichen Interview erzählt er von den Anfängen des Turniers und wie es sich im Laufe der Zeit entwickelt hat. Das Event begann vor 24 Jahren als kleines 10.000er Turnier und hat sich mittlerweile zu einem der wichtigsten ITF-Turniere für Damen etabliert. Im Jahr 2009 wurde das Turnier erfolgreich in ein Challenger-Turnier für Herren umgewandelt und nach einer Pause von 6 Jahren wurde 2015 zusätzlich zum Challenger wieder ein kleines ITF-Turnier für Damen (Preisgeld 10.000 Dollar) organisiert. Dieses Jahr findet bereits die 8. Auflage statt, diesmal mit einem Preisgeld von 25.000 Dollar.
Die Grundlage für das erste Profi-Turnier in Gröden wurde vor 25 Jahren gelegt. Anfangs war es ein sogenanntes B-Turnier, bis Klaus Schraffl aus Brixen den Vorschlag einbrachte, ein internationales Turnier in Gröden zu veranstalten, das nur geringfügig mehr kosten würde als ein B-Turnier. In einer Ausschusssitzung wurde darüber abgestimmt und es endete unentschieden. Jedoch konnte der fehlende Vorstandsmitglied Raimund Rifesser überzeugt werden und so startete das erste ITF-Turnier 1999. Im gleichen Jahr fand auch noch ein letztes B-Turnier statt. Die Veranstalter erhielten viele positive Rückmeldungen aus Rom. Gloria Pizzichini gewann das erste Turnier, nachdem sie sich erfolgreich qualifiziert hatte und in der ersten Runde einen Matchball abwehrte. Das Finale gewann sie deutlich in nur 40 Minuten mit 6:2, 6:0.
Das Turnier war ein großer Erfolg und es folgten immer mehr ITF-Turniere mit höherem Preisgeld. Im Jahr 2000 und 2001 wurden bereits 25.000-Dollar-Turniere veranstaltet und danach folgte ein 50.000-Dollar-Turnier. Eine besondere Erinnerung für Wolfgang Wanker war das Jahr 2007, als die damals 16-jährige Caroline Wozniacki, die noch auf Platz 228 der Weltrangliste stand, das Turnier gewann. Später wurde sie sogar die Nummer 1 der Weltrangliste.
Die Finanzierung der Turniere war eine große Herausforderung, da nicht nur das Preisgeld erhöht werden musste, sondern auch die Unterbringung der Spielerinnen bezahlt werden musste. Dennoch haben die Veranstalter weitergemacht und waren darauf bedacht, dass sich die Turniere selbst finanzieren. Der Überschuss wurde in die Vereinskasse gesteckt.
Im Laufe der Jahre wurden viele bekannte Spielerinnen in Gröden begrüßt, darunter auch Top-100-Spielerinnen. Allerdings hatten die Favoritinnen meistens einen schweren Stand, während sich Spielerinnen aus der Qualifikation immer wieder weit in das Turnier vorspielen konnten. Barbora Strycova aus Tschechien war die erste Top-100-Spielerin, die das Turnier gewann. Beim letzten Damen-Turnier im Jahr 2009, das mit einem Preisgeld von 100.000 Dollar dotiert war, gelang ihr dieser Erfolg.
Wolfgang Wanker ist stolz auf die Liste der Siegerinnen des Turniers. Flavia Pennetta gewann im Jahr 2002 bei uns und beendete später ihre Karriere mit einem Sieg bei den US Open. Caroline Wozniacki, die 2007 als Wimbledon-Juniorensiegerin nach Gröden kam, gewann das Turnier ebenfalls. Ihr Vater Piotr sagte damals voraus, dass sie in einem Jahr zu den Top Ten gehören würde. Tatsächlich wurde Wozniacki sogar die Nummer 1 der Welt. Michaella Krajicek galt als großes Talent, konnte aber den Durchbruch nicht erreichen. Sie gewann das Turnier in Gröden im Jahr 2005, war jedoch aufgrund ihrer Verletzungsanfälligkeit benachteiligt.
Das ITF-Turnier der Damen hatte einen bekannten Namen in der Tenniswelt. Es wurde dem Veranstaltungsteam sogar angeboten, ein WTA-Turnier auszurichten, aber sie lehnten das Angebot ab. Stattdessen beschlossen sie im Jahr 2009, ein Herren-Challenger-Turnier zu veranstalten. In diesem Jahr gelang Mara Santangelo zum zweiten Mal der Turniersieg, was das OK dazu veranlasste, über die Ausrichtung eines Herren-Turniers nachzudenken. Im Jahr 2010 fand schließlich das erste Challenger-Turnier statt. Bei der 2. Auflage des Challengers im Jahr 2011 konnte die Sparkasse als Hauptsponsor gewonnen werden. Auch die Teilnahme von Andreas Seppi im Jahr 2012 trug dazu bei, dass die Zuschauerzahlen stiegen und das Publikum begeistert war. Seppi gewann das Turnier sogar zweimal und auch der Name von Jannik Sinner findet sich auf der Ehrentafel des Turniers.



